Pressekonferenzen während Corona: Land OÖ macht auf, OÖVP macht zu

Corona wirkt sich derzeit auf so gut wie alle unsere Lebensbereiche aus. Im Journalismus betrifft das zum Beispiel die Abhaltung von Pressekonferenzen (PK). Derzeit üblich ist beispielsweise, dass weniger Kamerateams filmen und anschließend das Bildmaterial untereinander geteilt wird. Dadurch können weniger Kamerapersonen im Raum sein. Zusätzlich wird, wie auch überall derzeit sonst, darauf geachtet, jeweils einen Meter Abstand zu halten. Bei Bedarf werden hierzu Raumteiler entfernt, um aus zwei kleineren Räumen einen größeren zu machen.


Was wir ebenfalls während der Corona-Zeit bemerken, ist, dass sich unsere Gewohnheiten in Bezug auf das Internet und damit verbundene technische Möglichkeiten verändern. Viel Neues wurde probiert und einiges davon ist für viele von uns bereits zu einem neuen Standard geworden.


Dass es trotz allem verschiedene Zugangsweisen zu diesem Thema und den Implikationen von Corona gibt, wurde im direkten Vergleich zweier Pressekonferenzen deutlich. Die eine am 23.07.2020 abgehalten von der OÖVP. Die andere tags darauf am 24.07.2020 abgehalten vom Land OÖ.


Die PK der OÖVP wurde ausschließlich online abgehalten. Um dabei sein zu können musste man sich anmelden. Dabei wurde jedoch nicht allen Journalisten die Teilnahme ermöglicht. Die Begründung dafür ist konsequente Umsetzung selbst erstellter Regeln. Der Pressefreiheit gefällt das freilich nicht, dass hier moderne technische Mittel mit Zugangsbarrieren verknüpft werden.


Die PK des Landes OÖ war eine Präsenz- und Online-PK zugleich. Journalisten konnten vor Ort dabei sein und Fragen stellen, oder aber auch über einen Livestream das Geschehen verfolgen. Zusätzlich wurde alles synchron in Gebärdensprache übersetzt. Aus der Not wurde eine Tugend. Mit Corona kamen als Ergänzung zum bereits üblichen Standard Livestreams. Und mit den Livestreams die Übersetzung in Gebärdensprache.


Landeshauptmann Stelzer ist bekanntlich gleichsam Chef der Landesregierung als auch der OÖVP. Bei der zweiten PK in Bezug auf den Vergleich der beiden PK’s und die Vorgehensweise der OÖVP tags zuvor befragt, meinte er, der Einladende könne festlegen, wer eingeladen wird. Im Sinne der Pressefreiheit ist das natürlich nicht, und es wird interessant sein, die weitere Entwicklung in diesem Bereich zu beobachten.


Es bleibt zu hoffen, dass Online-Pressekonferenzen von Landtagsparteien hinter verschlossenen Türen und mit selektierten Journalisten nicht zum Standard werden. Gerade jetzt ist eine spannende Zeit um demokratische Errungenschaften der Zeit gemäß weiterzuentwickeln und neue Maßstäbe zu setzen, anstatt Schritte zurück zu machen.

Ich schließe mit der Frage und dem Impuls: Wo können wir in unserem Leben und in unserem Umfeld selbst Schritte setzen, um Entwicklungen zeitgemäß voranzutreiben, und um aus der Not eine Tugend zu machen?