Linz auf dem Weg zur Innovationshauptstadt - eine Zwischenbilanz

Schritt für Schritt bewegt sich etwas in Linz. Im Vergleich zu anderen österreichischen Städten wie Wien oder Salzburg, die ein klares langfristiges Branding beispielsweise als Kulturstädte haben, bietet sich in Linz die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen, und sich ein Stück weit neu zu erfinden. Das kann eine Chance für die nächsten Jahrzehnte sein.


Es gibt eine gewisse Infrastruktur, man hat eine gewisse Größe. Mit entsprechendem ganzheitlichen Denken ist hier etwas möglich. In heutigen Zeiten werden Schlagworte wie Innovation und Digitalisierung ja ausgesprochen inflationär verwendet. Unternehmen oder Organisationen schreiben sich diese auf die eigene Fahne, und verbunden mit einer Marketingkampagne, glaubt man, man ist bereits am Puls der Zeit. Dabei werden aber alte Strukturen nicht verlassen, und für Innovation notwendige Kultur wird weder gelebt noch vorgelebt.


Aktuell ist man in Linz als Stadt an einem Punkt, wo bereits einiges passiert oder passiert ist. Beispielsweise war die Belebung der Tabakfabrik, die work in progress ist, ein wesentlicher Eckpfeiler. Oder mit dem Ars Electronica Festival hat man sich über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht.


Wo es noch happert, ist bei der Verknüpfung von Institutionen und Akteuren. Man sagt selbst, dass man mittlerweile gemerkt hat, dass es nur mit Vernetzung geht. In Österreich sind wir gewissermaßen Weltmeister im Packeln. Strukturen und Muster der jahrzehntelangen Freunderlwirtschaft können nicht von heute auf morgen aufgebrochen werden. Wenn man aber mittelfristig zu den europäischen Innovationsstädten gehören will, dann wird daran kein Weg vorbei führen.


Es gibt aber bereits Orte, wo aktive Vernetzung und Offenheit ein Stück weit gelebt wird. In Co-Working-Spaces wie beispielsweise dem Axis gelingt eine gute Mischung aus Arbeit, Networking und Socialising. Oder immer wieder entstehen auf Basis von Eigeninitiative Stammtische oder ähnliche Formate zu Themenbereichen wie Start-Ups oder Programmieren. Wichtig sind Vernetzungsmöglichkeiten, die über die Disziplinen hinausgehen, und somit Kreativität anregen. Was ist hier beispielsweise auf universitärer Ebene möglich? Es gibt im Moment noch zu viele Fleckerlteppiche und zu wenige integrative Gestalter.


In näherer Zukunft wird interessant sein, wie sich das Linzer Innovationsbüro entwickelt. Von der Politik initiiert ist es direkt am Hauptplatz situiert und soll zu einer Drehscheibe für Innovation werden. Eine Art erste Anlaufstelle im Ökosystem. Aktuell ist man zudem beispielsweise dabei, zu versuchen, auf das Gelände der ehemaligen Tabakfabrik eine AHS mit Schwerpunkten für technikaffine SchülerInnen zu bekommen.


In Linz wagt man sich in neue Gewässer. Das ist gut. Es scheint, als ob es auch eine Bereitschaft zum Lernen gibt. Nur wer selbst sieht, dass er nicht alles wissen kann, und erkennt, welcher Mehrwert eben erst durch Offenheit und in weiterer Folge Ko-Kreation entsteht und entstehen kann, wird im 21. Jahrhundert vorne mit dabei sein. Wenn wir in größeren Kontexten und in ganzheitlichen Ansätzen denken, dann geht das nur mit politischen Verantwortungsträgern, die systemisch denken und das große Ganze anstatt der eigenen Klientel im Auge haben. Möge die Übung gelingen.