Demokratie als offener Dialog - Eintauchen in Gesprächsformate der Zukunft

Schon seit langem ist die Politikverdrossenheit in der Gesellschaft sehr hoch. Das Interessante dabei ist, dass wir alle grundsätzlich großes Interesse daran haben, wie wir unser Zusammenleben gestalten. Das Problem ist also vielmehr das "Wie". Die Art und Weise und die Kultur, wie Politik gemacht wird, führt dazu, dass sich kaum jemand aktiv in die Gestaltung einbringen möchte. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber zu einem großen Teil liegt das daran, dass unser System durch Parteien besetzt wird. Parteien sind verfassungstechnisch grundsätzlich nicht per se vorgeschrieben. Da sich aber historisch Menschen zu Gruppierungen zusammenschloßen um “ihre” Interessen “gegenüber” jenen der Interessen “anderer” durchzusetzen, hat sich eine Art von Gegeneinander entwickelt. Das geht mitunter soweit, dass viele die Wörter “streiten” und “Kultur” zur “Streitkultur” zusammenstöpseln, und diese als eine Form von Hochkultur sogar noch anpreisen, wenn sie angeblich “gelungen” sei. Das ist doch absurd.


Der Punkt ist, dass wir nie bis kaum gelernt haben, aus der Perspektive der Allgemeinheit, aus der Sicht des Ganzen zu denken und handeln. Systemimmanent ist das mit Parteien, als Vertreter von Partikularinteressen, auch schwer möglich. Das Interessante ist, dass zunehmend innovative Partizipationsformate emporkommen, die diese Dynamiken aushebeln. Eines davon sind Bürgerräte, wo aus der Gesamtbevölkerung frei ausgelost wird, wer am Prozess teilnimmt. Das klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, weil es eine ganz andere Zugangsweise ist. Das Spannende ist allerdings, dass durch den Querschnitt, der automatisch bei einer zufälligen Auslosung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen entsteht, in deren Sitzungen Lösungen für gesellschaftliche Themen entstehen, die eine wesentlich höhere Zustimmung in der Bevölkerung aufweisen, als jene, die auf Basis der klassischen repräsentativen Demokratie, wie wir sie aus den letzten Jahrzehnten kennen, basieren. Bei genauerer Betrachtung ist dies sogar ausgesprochen logisch. Denn nichts trifft den Querschnitt so gut wie eine Zufallsauswahl. Die Auslosung kennt keine vordefinierten Parameter. Sie kennt keine Privilegien und keine Diskriminierung.


In solchen Formaten eröffnen sich neue Lösungsmöglichkeiten, da aus der Perspektive der Allgemeinheit gedacht wird. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gehen wesentlich unbefangener und offener in den Lösungsfindungsprozess. Da niemand etwas verteidigen muss, gibt es in dem Sinn keine Verlierer oder Gewinner, wie wir das mit Parteien in Parlamenten kennen. Aus einem “Ich gegen Du” wird ein “Wir”.


Diesen dialogischen Aspekt wollen wir beim evolve LIVE! “Demokratie als offener Dialog - Können wir unser Zusammenleben gemeinsam gestalten?” in den Vordergrund heben. Ein Aspekt, der Allgemeingültigkeit hat, unabhängig von unseren verschiedenen Lebensbereichen. “Wir” statt “Ich gegen Du” funktioniert genauso im Berufsleben, Familienleben, in der Freizeit. Wir haben nur wenig Erfahrung damit, und aus diesem Grund wollen wir genau hier einen Schwerpunkt setzen.


Aus dem gleichen Grund habe ich auch den “Linzer Salon” ins Leben gerufen. Um die Möglichkeit zu geben, diesen Erfahrungsraum Schritt für Schritt für sich und gemeinsam zu erweiteren, so dass irgendwann vielleicht sogar eine Art von Kultur entsteht.


Mit Thomas Steininger, Herausgeber des evolve Magazins und Experte für "emergent dialogues" bei “emerge”, haben wir am 26.9. einen langjährigen Fachmann für genau diese Art von Kultur in Linz zu Gast. Dazu mit Claudine Nierth, als Bundesvorstandssprecherin von “Mehr Demokratie Deutschland” mit rund 10.000 Mitgliedern, eine der bekanntesten Persönlichkeiten für Bürgerbeteiligung.


Die beiden werden uns Impulse geben, um den Nährboden des Tages aufzubereiten. Der Fokus wird jedoch naturgemäß auf dem ko-kreativen Austausch uns aller auf Augenhöhe sein, um selbst in diese Art von besonderem “Wir-Raum” einzutreten und einzutauchen. Wie fühlt es sich an, aus der Ganzheit zu denken? Welche Räume eröffnen sich, wenn Ego-Schichten sich lösen können, so dass gemeinsam, und in der Wirkung von kollektiver Intelligenz, Erfahrung und Wissen, bisher ungeahnte Lösungsmöglichkeiten und -wege emergieren?



Ich freue mich als Gastgeber auf einen spannenden Dialog-Tagesworkshop der besonderen Art!



Tickets: https://www.evolve-magazin.de/product/linz-demokratie-als-offener-dialog/